Wer sucht (in) was?

Kollege Jakob bloggte kürzlich seinen Abgesang auf tote Bäume und Geschäftsmodelle in Zeiten beliebiger Kopierbarkeit. Und erwähnte dabei auch die DFG Nationallizenzen als einen – das interpretiere ich mal in seine Worte hinein – Weg hin zu “freierer” Verfügbarkeit von Publikationen. Prinzipiell ja richtig. Dennoch müssen wir uns gerade bei den Nationallizenzen mit einem recht komplexen Geflecht von Zugangsberechtigungen zu Metadaten und Inhalten auseinandersetzen – und das eben auch in unserer Suchkiste berücksichtigen.

Grundsätzlich ist der Zugang zu dem im Rahmen der DFG Nationallizenzen angebotenen Material eben nicht frei, sondern nur für berechtigte Nutzer möglich. Wer zu was berechtigt ist, ergibt sich aus den mit den Anbietern der Produkte abgeschlossenen Verträgen.

Unsere Suchkiste wird zwar selbst keine Inhalte anbieten, sondern nur Links auf die lizenzpflichtigen Angebote in den Suchergebnissen. Jedoch dürfen auch nicht alle Metadaten zu den Produkten frei zugänglich angezeigt werden, somit also auch nicht alle Suchtreffer. Wir werden im Index unserer Suchkiste also neben freien auch nur für einen eingeschränkten Nutzerkreis durchsuchbare Daten haben. Außerdem haben Nutzer die Möglichkeit, sich unter http://www.nationallizenzen.de/ eine individuelle Auswahl aus den für sie verfügbaren Nationallizenz-Produkten zusammenzustellen.

Diese Aspekte spielen eine wichtige Rolle sowohl in den Tiefen der Technik als auch beim Interaktionsdesign der Suchmaschine. Welchen Teil der Daten darf ein Nutzer durchsuchen? Welchen Teil möchte ein Nutzer durchsuchen? Wie vermittelt man Benutzern, in welchen Teilen der Nationallizenz-Angebote sie gerade suchen? Und welche Möglichkeiten gibt man ihnen, das zu beeinflussen? …

Technisch bedeutet das, dass mit jeder Suchanfrage nur ein Teil des gesamten Datenbestandes durchsucht wird. Das lässt sich in Solr mit sogenannten Filter Queries performant und elegant (insbesondere mit korrekter Beeinflussung des Relevance Rankings) realisieren. Mit jeder Suchanfrage wird ein Filter über die Nationallizenz-Angebote, die ein Benutzer durchsuchen darf bzw. möchte, mitgeschickt. Damit dieser Filter erzeugt werden kann, braucht man aber zu jeder Suchanfrage Daten zur individuellen Rechtesituation und zu den ausgewählten Angeboten jedes einzelnen Nutzers. Diese Daten liegen in dem Anmeldesystem für die DFG Nationallizenzen unter http://www.nationallizenzen.de/ vor. Um diese Daten mit jeder Suchanfrage verknüpfen zu können, brauchen wir eine leistungsfähige Schnittstelle zu diesem System.

Und wir brauchen eine Möglichkeit, Benutzer zu identifizieren. Und eine Lösung für unidentifizierbare Nutzer. Für die Identifizierung bietet sich Shibboleth an. Die sogenannten Privatnutzer werden bei der Nutzung der Nationallizenz-Angebote eh schon per Shibboleth über einen Identity Provider bei der Verbundzentrale des GBV authentifiziert und (idp.nationallizenzen.de). Nutzer, die über ihre Institution (wissenschaftliche Einrichtungen, Hochschulen usw.) Zugang zu den Nationallizenzen haben, werden wir vorerst überwiegend über die unzuverlässige und nicht individualisierte Prüfung ihrer IP-Adresse erkennen müssen. Wir sind aber zuversichtlich, dass sich Shibboleth im Bibliothekswesen weiter verbreiten wird, so dass wir auch diesen Nutzern die Vorteile einer Anmeldung auf diesem Wege (Zugriff unabhängig von IP-Adressen, Individualisierung der Suche, Single Sign On usw.) bieten können. Benutzer, die sich nicht identifizieren und keiner Institution zugeordnet werden können, werden wir eine Suche über alle frei durchsuchbaren Metadaten anbieten. Sie werden allerdings keinen Zugriff auf die gefundenen Inhalte haben. Und sie werden die Auswahl der durchsuchten Angebote auch nicht individuell einschränken können.

Unser Prototyp unterstütz bereits die Anmeldung per Shibboleth (realisiert mittels simpleSAMLphp). Meldet man sich mit einer Privatnutzerkennung für die Nationallizenzen an, kann man zusätzlich die Daten zu Springer Link durchsuchen sowie die einfachen Individualisierungsfunktionen von VuFind nutzen. Das soll nur zeigen, dass die Umsetzung des komplexen Rechtemodells der Nationallizenzen sowie eine Individualisierung der Suche prinzipiell möglich ist. Eine Kopplung mit den Berechtigungsdaten aus dem Verwaltungssystem für die Nationallizenzen fehlt noch, ebenso eine Erkennung für institutionelle Nutzer. Außerdem natürlich ein Großteil der Metadaten zu den Nationallizenz-Angeboten. Und ein Konzept, diese durchaus komplexe Funktionalität an der Oberfläche verständlich darzustellen. Die Ideen dazu sind aber eigene Artikel wert…

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