Facetten?

Bei der Antragstellung gingen wir noch von Facettierung als sinnvolle Möglichkeit aus, die Treffermenge nach einer Suchanfrage mit Hilfe von Erschließungsinformationen einzugrenzen.
Für eine Facettierung notwendige Sacherschließungen sind in den vorliegenden Metadaten nur unzureichend und uneinheitlich vorhanden. Erst bei der Metadatenkonvertierung wurde dies offenbar.

Mittlerweile zeigen Erfahrungen, auch an der Bibliothek der North Carolina State University, deren Recherchesystem im Antrag noch als Vorbild genannt wurde, dass sich diese Erwartungen nicht erfüllen lassen. [1] Der 2009 erschiene OCLC Bericht “Online Catalogs: What Users and Librarians Want” beleuchtet die unterschiedlichen Erwartungen von Bibliothekaren und Nutzern. Hier wird zwar Hilfestellungen zum Verfeinern der Suchanfragen gefordert, jedoch wurde deutlich, dass das Prinzip der Facettierung, ein Werkzeug genau zu diesem Zweck, nicht allgemein verstanden wurde. [2]

Daher ist im Moment Facettierung in der Suchkiste nicht vorgesehen.

___________
[1] Christensen, A.: Partizipative Entwicklung von Diensten in der Bibliothek 2.0: Methoden und Ergebnisse aus Katalog 2.0-Projekten. In: Bibliotheksdienst 43 (2009), 527-537. http://beluga-blog.sub.uni-hamburg.de/blog/wp-content/ uploads/2009/05/user_studies1.pdf
[2] Online Catalogs: What Users and Labrarians Want. An OCLC Report. 2009, S. 16.  http://www.oclc.org/reports/onlinecatalogs/default.htm

8 comments.

  1. Auch wenn die Erwartungen an die Facettierung sich vielleicht nicht ganz erfüllen, sinnvoll ist sie trotzdem. So schreibt Anne:

    “Zwar werden die Drilldowns – eine von Bibliotheksjargon freie
    Benennung vorausgesetzt – dort wie auch in Yale intuitiv verstanden, die an der NCSU am häufigsten benutzten Facetten sind jedoch nicht diejenigen für eine thematische Verfeinerung oder Ausweitung, sondern die, die ein Eingrenzen nach Verfügbarkeit oder
    Aktualität ermöglichen.”

    Auch formale Einschränkungen sind doch sinnvoll!

  2. Das Ranking in der Suchkiste berücksichtigt, ob Treffer unmittelbar für Nutzer zugänglich sind oder nicht:

    Dem System unbekannte Nutzer können generell nur über frei zugängliche Bereiche des Suchmaschinenindex recherchieren. Ist eine Recherche über einen möglichst großen Bereich des Index gewünscht, wird eine Authentifizierung notwendig. Ist eine Authentifizierung erfolgt, werden Lizenzinformationen aus einem Lizenzverwaltungssystem geladen und diesem Nutzer als Attribute zugeordnet. Somit besitzt jeder Nutzer eine individuelle Auswahl an Attributen, die sowohl den Zugang zu bestimmten Bereichen des Suchmaschinenindex als auch das Aufrufen der wissenschaftlichen Dokumente erlauben.
    Nutzer mit unterschiedlichen Rechten erhalten bei derselben Suchanfrage immer unterschiedlich sortierte Treffer – Ergebnislisten, bei denen bei gleichwertigen Treffern die ersten Direktzugang zu einem Objekt ermöglichen. Könnte ein Nutzer theoretisch, z.B. durch akzeptieren von Lizenzbedingungen andere Objekte auch nutzen, werden sie nach Relevanz ebenfalls in die Trefferliste einsortiert. Dies sind Dinge, die bisher mit einer herkömmlichen Zugriffskontrolle nicht oder nur schwer realisiert werden konnten.

    Somit wird bei der Sortierung “Verfügbarkeit” unmittelbar berücksichtigt und eine eigene Facette obsolet. Für Hinweise, welche formalen Kriterien in unserem Fall sinnvoll sind, wären wir dankbar.

  3. Aktualität: Wer die Ergebnisse einer Recherche nach Jahren oder Aktualität aufbereiten möchte, sollte mal in der Suchkiste auf Jahr klicken! Hier kann man die Ergebnisse auf ein Zeitintervall eingrenzen.

  4. 1. beide zitierten quellen sprechen sich eher für als gegen facetten aus. aus [2]:
    “Some participants in the focus groups were less accustomed to using faceted browsing and, therefore, did not immediately understand the functionality. Others, however, immediately understood how to use the faceted browsing option once they
    saw it, and what results it should return to them. This was especially apparent among the participants in the undergraduate and casual searcher groups. Additionally, they indicated a strong intent to use the faceted browsing in the future.”

    2. deine (geralds) erklärung im kommentar könnte man ja fast direkt als hilfetext einbauen ;-)

    3.was die tatsächlichen nutzer der suchkiste wohl dazu sagen würden?

  5. Ich geb jetzt auch mal meinen Senf dazu: Facettennavigation, wie sie üblicherweise rechts oder links neben den Suchergebnissen angeboten wird, ist vor allem dann hilfreich, wenn man eine tief geschachtelte, hierarchische Struktur in den Daten hat. Mir fällt da bei den Nationallizenz-Daten schlicht nix ein. Bei “echten” Bibliotheksdaten erfüllen Klassifikationen vielleicht diese Anforderung, ansonsten sind die aber auch ziemlich “flach” (und außerdem ist Klassifikation da üblicherweise nicht vollständig und einheitlich vorhanden, nützt also auch wenig). Klassifikation haben wir in den Nationallizenz-Daten aber nicht.
    Wir benutzen in der Suchkiste durchaus Facetten, stellen sie aber nicht in der “klassischen Form” (rechts oder links neben der Trefferliste) dar. Der “Datums-Slider” z.B. basiert (technisch) auf Facetten, aber halt anders dargstellt (als nächstes wird es da wohl eine Visualisierung der Treffer über den Zeitraum des Suchergebnisses geben, da wirds dann noch deutlicher). Das ist doch besser als die bescheuerten “Erscheinungsjahrfacetten”, bei denen ich nur ein Jahr auswählen kann oder unter wenigen starr vorgegebenen Zeiträumen, oder? Mit dem Slider kann ich mir das Intervall meiner “Facette” selbst bestimmen.
    Es gibt auch einige andere Aspekte der Daten, bei denen eine statistische Auswertung plus Auswahl daraus Sinn machen könnte (um “Facetten” mal zu verallgemeinern). Personennamen vielleicht, Sprache, Nationallizenzprodukt und Zeitschrift vielleicht… Das sind aber alles keine hierarchischen Strukturen, deswegen werden wir die nicht als “klassische Facettennavigation” anbieten. Denn diese “klassische Facettennavigation” schafft tatsächlich Usability-Probleme bei solchen Daten: Wie kann ich damit z.B. mehrere Sprachen (z.B.: ich will alles in Deutsch, Englisch oder Französisch) oder mehrere Zeiträume/Jahre (s.o) auswählen? Oder die beiden Fälle “gib mir alles, was Müller und Meier gemeinsam geschrieben haben” und “gib mir alles, was Müller oder Meier geschrieben haben” sinnvoll unterscheiden?

    Die Suchkiste ist ja noch lange nicht fertig, es ist gerade erst die halbe Projektlaufzeit vorbei. Wir überlegen durchaus, wie wir solche Funktionalitäten, die auf Facetten (also ihrer technischen Implementation in Solr) beruhen, sinnvoll unterbringen können. Lasst uns mal ein bischen Zeit…

  6. @till: mein kommentar war nicht als ein “kommt, macht schon” gemeint und sollte auch nicht so verstanden werden. ich habe mich nur über eure begründung gegen facetten gewundert.

    für eure weiteren überlegungen sind diese quellen evtl. hilfreich:
    - http://www.uie.com/articles/faceted_search2/
    - http://www.digital-web.com/articles/user_interface_implementations_of_faceted_browsing/
    - http://www.infonortics.com/searchengines/sh06/slides/reamy.pdf

    meiner meinung nach sind folgende fragen zu beantworten (und dabei die bedürfnisse der nutzer im auge behalten + abwägung von aufwand/machbarkeit und nutzen):

    WAS soll die facettennavigation leisten?
    z.b.: soll sie dem nutzer lediglich eine vorstellung von der ergebnismenge vermitteln und somit orientierung schaffen? oder soll sie darüberhinaus etwa die suche über mehrere eigenschaften/attribute ermöglichen?

    WIE soll sie gestaltet werden?
    z.b. einfache liste oder multiselect? slider oder sinnvolle zeiträume vorgeben?

    WO soll sie platziert werden?
    oben, unten, rechts, links? immer sichtbar oder kontext sensitiv?

  7. Erfahrungsbericht:
    Suche nach “Lichen”, “lichens”, “lichenes” (Flechten) in der Suchkiste: eine muntere Mischung von Aufsätzen aus der Medizin, wo der Begriff vorkommt, und der Botanik (ungenau gesprochen). Das Suchergebnis ist dann, wenn man sich für Flechten interessiert, ohne Facettierungsmöglichkeit unbrauchbar.

    Synonyme sind nun mal nicht so selten, z.B. “Java” in all seinen Varianten.

    Eine Grobklassifikation an Hand der Zeitschrift sollte in den meisten Fällen möglich sein, wenn man von Nature absieht.

  8. Momentan kann man hier Artikel aus etwa 3.400 Zeitschriften finden.

    Die Information welchen Fachbereich eine einzelne Zeitschrift abdeckt, haben wir leider nicht. Auch ist mir nicht bekannt, wo wir diese Informationen bekommen könnten. Für Hinweise sind wir dankbar!

    Wenn jemand bereit ist hier eine brauchbare “Grobklassifikation” zu erstellen, werden wir gerne eine komplette Liste der hier enthaltenen Zeitschriften bereitstellen.

Post a comment.

Switch to our mobile site