Anforderungen an ein Recherchesystem

Recherchesysteme müssen Nutzern helfen, das individuelle, situative und kontextabhängige Informationsbedürfnis zu befriedigen. [1] Hier liegt somit die Messlatte für das jeweilige Recherchesystem.

Informationsbedürfnisse lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen (siehe auch [2]), die beispielhaft für verschiedene Recherchesituationen stehen. Durch die Analyse von Informationsbedürfnissen und einem daraus abgeleiteten Konzept ist es möglich, für viele (unterschiedliche) Nutzer ein Recherchesystem mit einer großen Spannbreite zu entwickeln und nicht nur einer Nutzergruppe gerecht zu werden. Zur Veranschaulichung möglicher Informationsbedürfnisse, die ein Katalog als Rechercheinstrument beantworten können sollte, einige Beispiele:

  1. Suche nach Literatur zu einem Thema
    Beispiel: Ein Chemiestudent muss ein Referat für ein Seminar zum Thema „Quecksilberbestimmung in Lebensmitteln“ vorbereiten.
  2. Informationen (wieder)finden
    Literatur mit unpräzisen Angaben finden
    Beispiel: Einer Informatikerin fällt bei der Überarbeitung der Gliederung ihrer Dissertation ein Artikel zum Wachstum des Internet ein, den sie vor einiger Zeit gelesen hat. Sie kann sich nur noch ungefähr an den Titel erinnern, und dass er Ende der 1990er Jahre in englischer Sprache erschien.
  3. Vergebliche Recherche
    Suche nach “etwas”, zu dem es in der Suchkiste nichts gibt. Wann und woran merken Benutzer, dass es “nichts gibt”?
    Beispiel: Deutschsprachige Literatur zum Wachstum des Internet.
  4. Komplexe Recherche
    Literatur mit präzisen Angaben finden.
    Beispiel: Nonlinear dynamical systems and classical orthogonal polynomials In: Journal of Mathematical Physics, ISSN 1089-7658, Vol. 38, No. 5 (1997), p. 2483-2505

Vielleicht fühlt sich jemand angesprochen und versucht die Beispiele oben in der Suchkiste (http://finden.nationallizenzen.de) nachzuvollziehen. Rückmeldungen (hier als Kommentar oder an suchkiste@gbv.de) sind für uns natürlich immer sehr hilfreich und willkommen!

Benutzergewohnheiten bei der Literaturrecherche wurden in diversen Studien untersucht. Den Studien ist gemein, dass Nutzer sehr im Umgang mit Websuchmaschinen (z. B. Google, Yahoo, etc.) vertraut und mit den Ergbnissen einer Suche recht zufrieden sind (vgl. [3] und Klatt u. a. 2001, S. 17). In einer Studie (vgl. Jeppe Lomholt Akselbo 2006, S. 17) wurde zusätzlich gar festgestellt, dass Nutzer Websuchmaschinen und den online-Händler Amazon benutzen, um geeignete Suchbegriffe für Bibliothekskataloge zu gewinnen. Daher liegt es nahe Recherchetechniken, die Nutzer durch den Umgang mit Websuchmaschinen erlernt haben, auch für die wissenschaftliche Literatursuchmaschinen der Nationallizenzen nutzbar zu machen.

________

[1] Cool, C.: The Concept of Situation in Information Science. In: Annual Review of Information Science and Technology 35 (2001), S. 5–42

[2] Hawking, D. ; Craswell, N. ; Bailey, P: Measuring search engine quality. In: Information Retrieval 4 (2001), S. 33–59

[3] De Rosa, C. ; Cantrell, J. ; Cellentani, D. ; Hawk, J. ; Jenkins, L. ; Wilson, A.: Perceptions of Libraries and Information Resources. A Report to the OCLC Membership. OCLC Online Computer Library Center, 2005, S. 1-17

[4] Klatt, R. ; Gavriilidis, K. ; Kleinsimlinghaus, K. ; Feldmann, M.: Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung. Barrieren und Potenziale der innovativen Mediennutzung im Lernalltag der Hochschulen. Endbericht / Sozialforschungsstelle Dortmund. Version: 2001. http://opus.bsz-bw.de/hdms/frontdoor.php?source_opus=334&la=de. 2001. – Forschungsbericht

2 comments.

  1. Mich würde interessieren, nach welcher Logik die Treffer gefunden werden. Mein Suchbeispiel “disaster management logistics” brachte nämlich hits, die weder in der unbeschränkten noch in der auf “Volltext” eingegrenzten Suche thematisch relevant waren. Ich frage mich, ob diese Suchmaschinenlogik dem Fragenden besonders hilfreich ist, denn in dem Beispiel wurde wesentlich mehr “Schrott” als relevantes gefunden.

  2. Mein Kollege Till hat sehr schön in dem Blogbeitrag “Wo ist denn die Information?” die “Logik” der Suchkiste beschrieben. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob die Trefferliste in Ihren obigen Beispiel nichts mit dem Thema zu tun hat oder nicht. Die daraus begleitete Konsequenz, keine Treffer- oder “Schrott”-Zahlen anzugeben, ist im Beitrag “Wieviele Treffer ergab meine Suche?” beschrieben. Möchte man wissen, wie nützlich unser Suchkiste ist, muss sie evaluiert werden. Genau das haben wir, so die DFG will, noch vor.
    Gibt man die obige Suchanfrage mit Anführungszeichen (also: “disaster management logistics”) ein, wird exakt danach gesucht und man erhält keine Treffer.
    Leider ist mir nicht klar, was mit “auf ‘Volltext’ eingegrenzten Suche” gemeint ist…

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